Poco Bueno

1944 - 1969

Poco Bueno und sein Vater King P-234 sind wohl das  berühmteste Vater/Sohn Team der Quarter Horse Zucht geworden. Es ist  schwer zu sagen, wo der Erfolg des Einen aufhörte und der des Anderen  begann.

Poco Buenos 17jährige Showkarriere ebenso wie der Ruhm den  er durch seine Nachzucht erlangte zeugen davon. Er brachte 36 AQHA  Champions und 84 ROM Qualifier hervor, was für damalige Zeiten einen  absoluten Rekord darstellte und ihn an die Spitze der Leading Sires  brachte. Ebenso brachte er 1958 seinem Besitzer E.Paul Waggoner die  Auszeichnung zum besten Züchter durch die grosse Zahl von Halter Class  Winnern, ROM Qualifiern und Gewinnern von AQHA  Championships.

Es  scheint offensichtlich, dass Poco Buenos Überlegenheit in seiner  Abstammung begründet war. Die Vorrangstellung seines Vaters King P-234 ist  jedem bekannt. Die meisten Menschen, die sich für die Quarter Horse  Geschichte interessieren wissen, dass Poco Bueno von Jess Hankins aus  Rocksprings, Texas, gezüchtet wurde; dass sein Vater der berühmte King  P-234 war, welcher abstammte von Zantanon von Little Joe von Traveler und  dessen Mutter Miss Taylor war, eine Tochter von Poco Bueno old von Little  Joe von Traveler. Man findet auf beiden Seiten von Poco Buenos Pedigree  die Zuchtlinien von Jeanette, Strait Horse, Sykes Mare, Yellow Jacket,  Jenny, Hickory Bill, Peter McCue und viele andere die lange unvergesslich  in der Geschichte der Quarter Horse Zucht sind.

Mit dieser Fülle hochkarätigem Blutes im Pedigree hat die  Nachzucht von Poco Bueno alle nur möglichen genetischen Vorteile um das  Erbe der Vorfahren aufrecht zu halten, sofern das andere Elternteil aus  einer ähnlich guten Zuchtlinie stammt.

In  den Jahren in denen Poco Bueno zu einer internationalen Größe wurde  drängten praktisch alle Besucher der Wagooner Ranch darauf, diesen  attraktiven Hengst, von dem sie schon soviel gehört hatten, in Natura  sehen zu können.

Von seiner erstklassigen Position im ultramodernen 20 -  Boxen Stall konnte er die ganze Santa Rosa Roundup Arena überblicken und  entdeckte so sofort jeden herannahenden Besucher. Angestellte der Waggoner  Ranch, die so vertraut mit den Verhaltensweisen des Hengstes waren, dass  sie seine Gesten meistens richtig deuten konnten behaupteten, dass er beim  ersten Wittern fremder Besucher seine Ohren spitzte und sich in Pose  stellte. Und dass er, beim Anblick einer Kamera wie ein selbstherrlicher  Prahlhans agierte und es nur noch fehlte, dass er Cheese sagte.

Trotz seines beeindruckenden Pedigrees erkannte man nicht  sehr früh dass grosse Potential welches in ihm steckte. Mr Hankins stellte  Poco Bueno das erste Mal als Jährling in Fort Worth vor, wo er in seiner  Klasse nur Fünfter wurde. Obwohl schon zu diesem Zeitpunkt einige Leute  Interesse für den jungen Hengst zeigten, wollte doch keiner den Kaufpreis  von US $  1.250,- zahlen. Tatsache war, dass der junge Poco Bueno  kein Eye Catcher war, aber es dauerte nicht lange bis sich dies  änderte...

Mr  Hankins showte den Hengst einige Monate später in Stamford, Texas, wo er  seine Klasse gewann. Die Zeit hatte dem jungen Hengst gutgetan. Er hatte  deutlich an Volumen gewonnen und man sah bereits Anzeichen dafür, dass er  eines Tages ein herausragender Vertreter seiner Rasse werden könnte.

Poco Buenos ruhmhafter Aufstieg begann bei einer Auktion  von Mr Hankins, auf der Dan Waggoner den Hengst mit einem Gebot von US $  5.700,- ersteigerte - ein unglaublich hoher Preis für die damalige Zeit.  Dieser für Poco Bueno gezahlte Preis trug massgeblich zum Glanz der  Karriere seines Vaters King bei, der wohl für immer eine Spitzenstellung  unter den Quarter Horse Stammeltern einnimmt.

Man kann sich fragen was Mr Waggoner dazu veranlasste sich  ganz auf Poco Bueno zu konzentrieren, ihn aus der grossen Menge der  vielversprechenden Junghengste, die zu dieser Zeit angeboten wurden,  auszuwählen. Entdeckte er einige spezielle Kombinationen von Blutlinien  oder war etwas ganz besonderes an diesem Hengst, was für andere Züchter  einfach nicht ersichtlich war ?

Über die Umstände, die Mr Waggoner dazu veranlassten, sich  den jungen Hengst anzuschaffen und wie er gehalten, trainiert und in die  Waggoner Zucht einbezogen wurde berichtete Mr Turpin, ein hochangesehener  Pferde- und Rindermann, der lange Zeit mit den Waggoners eng verbunden  war.

Laut Mr Turpin beschloss Paul Waggoner im Jahre 1945 sich  auf seiner Three Ds Stock Farm in Arlington, Texas, vermehrt um ein  Quarter Horse Zuchtprogramm zu kümmern. Er begann damit sich nach einem  vielversprechenden Junghengst umzuschauen. Zum ersten Mal sahr Mr Waggoner  Poco Bueno als Jährling auf der besagten Stamford Show als er dort seine  Klasse gegen einige andere gute Jährlinge gewann. Mr Waggoner setzte seine  Suche nach einem Hengst, der die Qualitäten aufwies auf denen eine  erfolgreiche Zucht basieren kann, fort, doch hielt er Poco Bueno in  Erinnerung. Wie man heute weiss, war Mr Waggoner Monate später der  erfolgreiche Bieter für Poco Bueno aud dem Hankins Sale im Oktober  1945.

Kurz nachdem Poco Bueno auf die Three Ds Farm in Arlington  kam wurde er unter den Sattel genommen. Bob Burton war zu dieser Zeit  Vormann und Trainer  auf der Ranch und er war laut Mr Turpin der  erste, der den Hengst sattelte, einritt und an Rindern arbeitete. Obwohl  Bob mit ihm begann Kälber zu ropen dauerte es nicht lange, bis man Poco  Buenos angeborenes Cuttingtalent entdeckte.

Als Bob Burton die Ranch verliess um sein eigenes Geschäft  zu gründen, wurde sein Platz als Vormann und Trainer von Pine Johnson  übernommen. Dieser führte das Training und die Betreuung Poco Buenos fort  und nahm den Hengst zu vielen grossen Shows mit, wo sich schnell zeigte,  dass seine Leistungen wirklich aussergewöhnlich waren.

1947 hob sich Poco Bueno bei der Denver National Western  Show das erste Mal hervor als er die Arena mit der Auszeichnung Grand  Champion verliess. Im folgenden Jahr nahm Poco Bueno wieder an der  National Western Show teil, diesmal im Cutting. Er gewann zwar nicht den  Top Award, aber er konnte sich als Dritter plazieren . Laut Mr Turpin war  dies wohl das erste Mal, dass ein Champion Halter Horse auch bei der  Arbeit unter dem Sattel gezeigt wurde.

Eine andere Aktion, die viel Aufmerksam einbrachte war die  Darbietung einer Vater - Sohn Kombination bei einer Cutting Prüfung. Poco  Tivio, geboren 1947 von Poco Bueno aus der Sheilwin, zeigte sich sehr früh  ebenso talentiert wie sein Vater.  Man gab ihn zum Einreiten an  Willis Bennett, der auf der Three Ds Ranch arbeitete. Bennett arbeitete  ihn auch an Rindern, bis man überzeugt war, dass er auf einer Show eine  gute Figur machen würde. Man nahm Poco Bueno und Poco Tivio mit zu einer  Show in Paducah, Texas  und meldete die beiden für den Cutting  Wettbewerb an, jeder als Turnback für den anderen. Die Vater / Sohn -  Vorstellung war ein grosser Erfolg und viele Quarter Horse Enthusiasten  versuchten noch Jahre später eine ähnliche Kombination auf eine Show zu  bringen, doch wie die Aufzeichnungen zeigen, war es nicht leicht einen  vergleichbaren Erfolg wie die Kombination der Waggoners mit Poco Bueno und  Poco Tivio zu erzielen.

Laut Mr Turpin deckte Poco Bueno selten an der Hand. Obwohl  von seinem ersten Tag in Arlington an auf seine Fütterung und Versorgung  sehr grossen Wert gelegt und diese sorgfältigst kontrolliert wurde  glaubten die Waggoner Leute doch, dass es am Besten wäre ihn unter  möglichst natürlichen Bedingungen zu halten. In jeder Decksaison brachten  sie ihn deshalb hinaus auf die Weide mit seiner Herde von ca. 35  Zuchtstuten. Dort blieb er bis zum Ende der Decksaison. Mr Turpin  erzählte, dass Poco Bueno in Show Kondition auf die Wiese kam, aber wenn  er am Ende der Saison wieder auf die Ranch kam, hatte er das Aussehen  eines ganz und gar gewöhnlichen Pferdes. Er war ziemlich verschrammt und  hatte einiges an Gewicht verloren. Aber ich denke es war gut für ihn,  sagte Mr Turpin, und ich bin überzeugt dass es ihm für seine Entwicklung  zu dem grossartigen Pferd, welches er wurde, sehr hilfreich war - in Bezug  sowohl auf seine Confirmation als auch auf seine  Disposition.

Für eine Betrachtung der Fähigkeiten Poco Buenos von dem  Moment an als er unter den Auktionshammer beim Hankins Sale kam bis zu  seiner späteren Position in der Quarter Horse Zucht sagt Mr Turpin er habe  sich oft gewünscht, Poco Bueno könnte reden. Seiner Meinung nach war Poco  Bueno ein Pferd welches für sich selber dachte und oft versuchte zum  eigenen Vorteil etwas über seine Pfleger und Trainer herauszufinden. Er  benahm sich entsprechend, nicht in tückischer oder böser Manier, nur  gerade soweit, wie es noch hingenommen wurde; vergleichbar mit einem  Jungen, der ausprobiert wie weit er gehen kann ohne von seinen Eltern  bestraft zu werden.

Wenn man sich den atrraktiven 18 x 30 Fuss grossen Pokalraum  auf der Santa Rosa Roundup Rodeo Anlage anschaut, der gefüllt ist mit den  Pokalen, die Poco Bueno und seine Nachzucht gewonnen haben wird man nicht  behaupten mögen, er wäre zu lange geshowt worden um den Titel des AQHA  Champion zu erreichen. Man muss bedenken, dass die AQHA erst 1951 begann,  die Show- und Performancerecords aufzubewahren und auszuwerten. Zu dieser  Zeit war Poco Bueno bereits sieben Jahre alt und er hatte schon zahlreiche  Top Auszeichnungen bei grossen Shows gewonnen. Um die begehrte Auszeichung  des AQHA Championship zu erreichen wurde er ,nach längerer Pause, wieder  zu Wettbewerben mitgenommen, wo er schnell durch grosse, stark besetzte  Shows genug Punkte sammeln konnte um Berühmtheit zu erlangen. Mehr noch,  die Shows, in den Poco Bueno seine Punkte sammelte gehörten zu den  bedeutesten Shows der damaligen Turnierszene.

Poco Bueno kann man nur als grossartiges Pferd bezeichnen.  Und er hatte die Fähigkeit, diese Größe an seine Nachkommen  weiterzugeben:

Um  den Rahmen nicht zu sprengen wollen wir hier nur einige seiner Söhne und  Töchter aufführen, die den Titel AQHA Champion erhielten ( H=  Halterpunkte; P = Performancepunkte ):

Poco Bay (39 H; 14 P) ;  Poco Bob (51 H; 125 P) ;  Poco Champ (54 H; 26P) ;Poco Dell (35H; 15P) ;  Poco Doll (96H; 17P) ; Poco Enterprise (20H; 26P) ;  Poco Imprint (22H; 45,5P) ;  Poco Jessie(19H; 89P) ;  Poco Lena (174H, 671 P);  Poco Lynn (83H; 20P) ;  Poco Mona (47H; 283P) ;  Poco Nadine (106H; 14P) ;  Poco Pine (135H; 17P) ;  Poco Robin (25H; 60P) ;  Poco Speedy (12H; 42,5P) ;  Poco Stampede (104H; 379P) ;  Poco Tianna (41H; 16P) ;  Poco Tivio (12H; 19P) ;  Poco Willy (47H; 14P) ;  Pretty Boy Pockey (89H; 50P);

Es  wundert nicht, dass die Waggoner Familie und Menschen, die damals mit der  Ranch verbunden gewesen sind, auch persönlich Stolz auf die zahlreichen  Fähigkeiten Poco Buenos waren. Das alte Sprichwort, dass jeder einen  Sieger liebt, gilt im Pferdegeschäft ebenso wie überall.

Während seiner letzten Jahre betrug die Decktaxe für Poco  Bueno US $ 5.000,- und er war limitiert auf vorher gesichtete und  ausgewählte Stuten.

Ab  1966 verbrachte er seinen wohlverdienten Ruhestand auf den Santa Rosa  Rodeo Grounds wo er seine eigene Weide hatte und man ihm alle Tore offen  liess, damit er sich frei bewegen konnte. Am 28. November 1969 starb Poco  Bueno im Alter von 25 Jahren. Er wurde in stehender Position begraben  direkt gegenüber des Eingangs zur Ranch und ein grosser Granitstein mit  der Aufschrift Champion and Sire of Champions ziert sein  Grab.

1990 wurde Poco Bueno in die AQHA Hall of Fame  aufgenommen.

Quellen:

Poco BuenoLeading Sire fo ROM Performance Horses, ein  Artikel aus dem Quarter Horse Journal 1961; Legends Volume I; The complete  Book of the Quarter Horse by Nelson C.Nye